Ab 2027 legt dir der Staat jedes Jahr bis zu 540 € in dein ETF-Depot. Das klingt fast zu gut, ist aber an Bedingungen geknüpft.
Das Altersvorsorgedepot löst die Riester-Rente ab. Es ist ein staatlich gefördertes Depot, in dem du mit ETFs und Fonds fürs Alter sparst. Wenn du schon einen ETF-Sparplan hast, fragst du dich wahrscheinlich, ob du das zusätzlich brauchst. Darauf komme ich weiter unten zurück. Zuerst geht es darum, wie das Depot funktioniert, wie viel Förderung es gibt und wo die Haken liegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Start: Ab dem 1. Januar 2027 kannst du ein Altersvorsorgedepot eröffnen. Das Gesetz ist beschlossen und verkündet.
- Förderung: Du bekommst bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr und bis zu 300 € pro Kind. Unter 25 gibt es einmalig 200 € Startbonus.
- Anlage: Du investierst in ETFs und Fonds. Einzelaktien und Krypto sind tabu.
- Auszahlung: Frühestens mit 65 kommst du an dein Geld, und im Alter zahlst du darauf Steuern.
- Riester: Kündige deinen alten Vertrag nicht. Ab 2027 kannst du stattdessen wechseln.

Warum es das Altersvorsorgedepot überhaupt gibt
Für das neue Vorsorgeprodukt hatte die Politik mehrere Gründe: Die Rentenlücke wächst, das Vorgängermodell Riester ist gescheitert, und immer mehr Deutsche legen ihr Geld an der Börse an.
Warum die gesetzliche Rente nicht reicht
Für die meisten von uns wird die gesetzliche Rente allein nicht reichen. Das Rentenniveau liegt aktuell bei 48 %, und die Politik hat diesen Wert bis 2031 festgeschrieben. Das klingt beruhigend, heißt aber auch: Deine Rente beträgt später nur etwa die Hälfte dessen, was ein Durchschnittsverdiener vorher hatte.
Entsprechend gering ist das Vertrauen: In einer Civey-Umfrage gaben rund 80 % der Befragten an, dass die gesetzliche Rente ihren Lebensstandard im Alter nicht sichern wird. Wer im Ruhestand nicht jeden Euro umdrehen will, muss also selbst vorsorgen.
Warum Riester gescheitert ist
Für viele ist Riester ein teures Ärgernis geworden. Ende 2025 gab es noch rund 14,66 Millionen Riester-Verträge, und die Zahl sinkt jedes Jahr weiter. Nach Schätzungen des Arbeitsministeriums ruht außerdem jeder vierte bis fünfte Vertrag, es zahlt also niemand mehr ein.
Der Hauptgrund für den Frust sind die Kosten. Laut einer Auswertung der Bürgerbewegung Finanzwende liegen die durchschnittlichen Effektivkosten von Riester-Tarifen bei 1,46 % pro Jahr. Dazu kommen Abschlussgebühren, sodass ein großer Teil der Beiträge beim Anbieter hängen bleibt. Außerdem ließen die Garantiepflichten bei niedrigen Zinsen kaum Rendite zu.
Deutschland entdeckt ETFs
Gleichzeitig legen immer mehr Menschen in Deutschland Geld an der Börse an. Laut Deutschem Aktieninstitut besaßen 2025 rund 14,1 Millionen Menschen Aktien, Fonds oder ETFs, so viele wie nie zuvor. 12,1 Millionen davon setzen auf Fonds und ETFs.
Bei den Anlegerinnen und Anlegern unter 40 hat inzwischen jede oder jeder Zweite einen ETF im Depot. Das Altersvorsorgedepot knüpft daran an und fördert, was viele ohnehin schon machen.

Warum es das Altersvorsorgedepot überhaupt gibt
Das Altersvorsorgedepot ist ein normales Wertpapierdepot mit staatlichem Bonus und ein paar Spielregeln. Du zahlst regelmäßig ein, der Staat legt Zulagen obendrauf, und dein Geld wächst über die Jahre an der Börse. Herausholen kannst du es erst im Rentenalter.
Ab wann gibt es das Depot?
Los geht es am 1. Januar 2027, du musst aber nicht gleich am Neujahrsmorgen abschließen. Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz im März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat im Mai zugestimmt, und Ende Mai 2026 wurde das Gesetz verkündet. Ab 2027 dürfen Banken und Broker die neuen Depots anbieten, sobald das Bundeszentralamt für Steuern sie zertifiziert hat. Riester-Verträge kannst du dagegen nur noch bis zum 31. Dezember 2026 neu abschließen.
Stand Mitte Oktober 2026 ist noch kein Produkt zertifiziert, die Anbieter haben ihre Depots bisher nur angekündigt. Eile ist trotzdem nicht nötig: Auch wenn du erst im Laufe des Jahres 2027 abschließt, bekommst du die Förderung für 2027 noch. Du hast also Zeit, die Angebote in Ruhe zu vergleichen.
Was darf ins Depot, und was nicht?
Deine Lieblingsaktie darfst du hier leider nicht kaufen, denn der Staat hat eine Positivliste festgelegt. Erlaubt sind:
- ETFs und Investmentfonds der Risikoklassen 1 bis 5
- Geldmarktfonds
- Staatsanleihen aus der EU
Einzelaktien, Kryptowährungen, Zertifikate und Hebelprodukte sind ausgeschlossen. Für die meisten Anlegerinnen und Anleger ist das kein großer Verlust, weil ein breit gestreuter Welt-ETF ohnehin eine solide Basis ist.
In der Ansparphase zahlst du weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale. Deine Erträge werden also nicht laufend besteuert, und der Zinseszinseffekt wirkt auf den vollen Betrag.
Standarddepot, freie Auswahl oder Garantie?
Jeder Anbieter muss dir ein Standarddepot anbieten, und das ist für viele die entspannteste Wahl. Dahinter steckt ein Lebenszyklusmodell aus zwei Fonds: In jungen Jahren investierst du stärker in Aktien, und je näher die Rente rückt, desto mehr schichtet das Depot von selbst in sicherere Anlagen um. Kümmern musst du dich darum nicht.
Nur für das Standarddepot gilt außerdem ein Kostendeckel von 1 % pro Jahr. Wählst du dagegen deine ETFs selbst aus, gibt es keine gesetzliche Obergrenze. Das kann günstiger sein, wenn du einen preiswerten Anbieter erwischst, aber auch teurer, wenn du nicht genau hinschaust.
Garantieprodukte bleiben ebenfalls erlaubt. Sie sichern dir 80 % oder 100 % deiner Beiträge zu, kosten aber meist deutlich mehr Rendite. Das lange diskutierte staatliche Standarddepot kommt vorerst nicht, weil das Finanzministerium dafür erhebliche europarechtliche Hürden sieht.
Wer darf mitmachen?
Der Kreis der Geförderten wird größer. Wie bisher bekommen rentenversicherungspflichtige Angestellte, Beamtinnen und Beamte sowie weitere Gruppen die Förderung. Neu dabei sind Selbstständige sowie Freiberuflerinnen und Freiberufler, die bei Riester meist leer ausgingen. Außerdem hängt die Förderung nicht mehr von deinem Einkommen ab.

So viel Geld legt der Staat drauf
Die Förderung besteht aus mehreren Bausteinen, die du kombinieren kannst.
Die Grundzulage
Für jeden Euro, den du einzahlst, gibt der Staat etwas dazu, und zwar anteilig umso mehr, je kleiner dein Beitrag ist:
- Auf die ersten 360 € pro Jahr bekommst du 50 % Zulage, also bis zu 180 €.
- Auf alles zwischen 360 € und 1.800 € bekommst du 25 %, also bis zu weitere 360 €.
- Insgesamt sind das maximal 540 € pro Jahr.
Damit du überhaupt Zulagen erhältst, musst du mindestens 120 € pro Jahr einzahlen. Nach oben hast du mehr Luft: Du darfst bis zu 6.840 € pro Jahr einzahlen, gefördert werden aber nur die ersten 1.800 €. Außerdem gibt es die Förderung für höchstens zwei Verträge.
Die Kinderzulage
Für Eltern lohnt sich das Depot besonders. Pro kindergeldberechtigtem Kind bekommst du bis zu 300 € im Jahr zusätzlich, die volle Kinderzulage gibt es ab 25 € Einzahlung im Monat. Bei zwei Kindern sind das 600 € extra, ohne dass du selbst mehr einzahlen musst.
Der Startbonus für junge Leute
Schließt du dein Altersvorsorgedepot vor deinem 25. Geburtstag ab, legt der Staat einmalig 200 € obendrauf. Weil das Geld dann besonders lange angelegt bleibt, kann dieser Bonus bis zur Rente ordentlich wachsen.
Der Steuervorteil für Gutverdiener
Wer gut verdient, profitiert zusätzlich über die Steuererklärung. Du kannst deine Eigenbeiträge bis 1.800 € plus die erhaltenen Zulagen als Sonderausgaben absetzen. Das Finanzamt prüft dabei automatisch, was für dich günstiger ist: die Zulagen oder die Steuerersparnis. Bei dieser Günstigerprüfung musst du nichts selbst ausrechnen. Ist die Steuerersparnis höher, bekommst du die Differenz erstattet.
Drei Rechenbeispiele
Beispiel 1: Tom, Single, 150 € im Monat. Tom zahlt 1.800 € im Jahr ein. Auf die ersten 360 € bekommt er 180 €, auf die restlichen 1.440 € weitere 360 €. Damit landen jedes Jahr 2.340 € in seinem Depot, obwohl er selbst nur 1.800 € aufbringt.
Beispiel 2: Lena, 22, Berufseinsteigerin, 30 € im Monat. Lena zahlt 360 € im Jahr ein und bekommt dafür die vollen 50 %, also 180 €. Weil sie unter 25 ist, kommt im ersten Jahr noch der Startbonus von 200 € dazu. Aus ihren 360 € werden so 740 €.
Beispiel 3: Familie mit zwei Kindern. Zahlt ein Elternteil 1.800 € im Jahr ein, gibt es 540 € Grundzulage plus 600 € Kinderzulage, zusammen also 1.140 €. Damit wandern jährlich 2.940 € ins Depot. Laut einer Beispielrechnung von Börse Online sind für Familien so Förderquoten von rund 48 % möglich.
Die Haken: Was du vorher wissen musst
Dein Geld ist bis 65 geparkt
Was einmal im Altersvorsorgedepot liegt, bleibt dort, im Zweifel jahrzehntelang. Brauchst du das Geld vorher, musst du alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das Depot eignet sich deshalb nicht als Sparschwein für das nächste Auto oder die Weltreise.
Leg dir vorher einen soliden Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto zurück. Erst wenn diese Reserve steht, lohnt es sich, Geld langfristig fürs Alter zu binden.
Im Alter zahlst du Steuern
Einen Teil der Förderung holt sich der Staat später zurück: Deine Auszahlungen im Alter versteuerst du voll mit deinem persönlichen Steuersatz. Das nennt man nachgelagerte Besteuerung.
Anders als bei einem normalen ETF-Depot gibt es außerdem keine Teilfreistellung. Bei einem freien Aktien-ETF bleiben 30 % der Erträge steuerfrei, im Altersvorsorgedepot dagegen nicht. Wie stark dich das trifft, hängt davon ab, wie hoch dein Einkommen im Ruhestand ausfällt. Der Vergleich weiter unten rechnet das durch.
Kosten fressen Rendite
Ein Prozent Kosten klingt nach wenig, summiert sich über 30 Jahre aber deutlich. Finanztip hat das durchgerechnet: Wer 150 € im Monat bis 67 anlegt, kommt bei 0,1 % Kosten auf rund 145.000 €. Bei 1 % Kosten bleiben nur rund 124.000 € übrig, also über 20.000 € weniger.
Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer halten den Kostendeckel von 1 % deshalb für zu hoch, darunter Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale Bundesverband. Finanztip fordert eine Grenze von 0,5 %. Vergleiche die Kosten also genau: Der Deckel ist eine Obergrenze, kein Richtwert.
Vorsicht beim Beratungsgespräch
Rechne damit, dass dir 2027 jemand ein „Rundum-sorglos-Paket“ verkaufen will. Die Verbraucherzentralen warnen bereits vor einer Verkaufswelle mit teuren Garantie- und Premiumprodukten, deren Kosten bei 1,5 bis 2,5 % pro Jahr liegen können. Solche Produkte fallen nicht unter den Kostendeckel, weil er nur für das Standarddepot gilt.
Lass dich deshalb nicht unter Druck setzen. Frag immer nach den Effektivkosten und vergleiche sie mit dem Standarddepot eines günstigen Anbieters. Unterschreib nichts im ersten Gespräch.
Altersvorsorgedepot vs. normaler ETF-Sparplan
Mich persönlich hat vor allem eine Frage interessiert: Brauche ich das überhaupt, wenn ich schon einen ETF-Sparplan habe? Beide Varianten investieren in ETFs. Sie unterscheiden sich bei Förderung, Besteuerung und Flexibilität.
Der direkte Vergleich
Entscheidend ist vor allem dein Steuersatz im Rentenalter. Das Finanzportal capitalo hat dafür ein Beispiel mit 1.800 € pro Jahr über 30 Jahre durchgerechnet:
- Freies ETF-Depot: Nach Steuern bleiben rund 122.000 €.
- Altersvorsorgedepot bei 20 % Steuersatz im Alter: rund 142.900 €
- Altersvorsorgedepot bei 30 % Steuersatz: rund 125.000 €
- Altersvorsorgedepot bei 42 % Steuersatz: nur noch rund 103.600 €
Wer im Alter wenig Steuern zahlt, fährt mit dem Altersvorsorgedepot also deutlich besser. Bei einem hohen Steuersatz kippt die Rechnung dagegen. Das lässt sich teilweise ausgleichen: Wer seine Steuererstattung aus der Ansparphase konsequent wieder anlegt, kommt selbst bei 42 % noch auf rund 133.600 €.
Auch sonst unterscheiden sich die beiden Varianten:
| Altersvorsorgedepot | Freies ETF-Depot | |
|---|---|---|
| Staatliche Förderung | Ja | Nein |
| Zugriff aufs Geld | Ab 65 | Jederzeit |
| Steuer | Im Alter, voll | Abgeltungsteuer, Teilfreistellung |
| Anlageauswahl | Positivliste | Frei |
| Vererbung | Mit Einschränkungen | Uneingeschränkt |
Und was ist mit Betriebsrente und Rürup?
Das Altersvorsorgedepot ist nicht die einzige geförderte Option. Bietet dein Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge mit Zuschuss an, solltest du die in jedem Fall mitnehmen, denn Geld vom Chef ist genauso geschenkt wie Geld vom Staat.
Die Rürup-Rente (Basisrente) spielt dagegen vor allem für Menschen mit hoher Steuerlast eine Rolle, etwa für gut verdienende Selbstständige. Sie bietet hohe Steuervorteile, ist aber noch unflexibler als das Altersvorsorgedepot.
Mein Fazit: Entweder-oder oder beides?
Für viele dürfte beides sinnvoll sein, mit klarer Aufgabenteilung. Das Altersvorsorgedepot übernimmt die langfristige, geförderte Vorsorge für die Rente. Dein freies ETF-Depot bleibt dagegen der flexible Topf, auf den du jederzeit zugreifen kannst.
Gerade die ersten 360 € im Jahr sind dank der 50-%-Zulage kaum zu schlagen. Selbst wenn du sonst lieber frei investierst, lohnt es sich deshalb oft, zumindest diesen Betrag ins Altersvorsorgedepot zu stecken.

Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Diese Frage hören die Verbraucherzentralen derzeit am häufigsten. Die kurze Antwort: Du musst nichts überstürzen.
Bestandsschutz: Dein Vertrag läuft weiter
Dein Riester-Vertrag wird weder gekündigt noch automatisch umgestellt. Er läuft mit den bisherigen Regeln weiter, und du bekommst auch weiterhin deine Zulagen. Du kannst also in Ruhe entscheiden, ob du etwas ändern willst.
Wechseln ab 2027: So geht’s
Ab 2027 kannst du dein Riester-Guthaben einmalig mitnehmen, zurück geht es danach nicht mehr. Dafür hast du zwei Möglichkeiten: Entweder stellst du deinen bestehenden Vertrag auf die neue Förderlogik um, oder du überträgst das Guthaben in ein Altersvorsorgedepot. Deine bisherigen Zulagen bleiben dabei in beiden Fällen erhalten.
Allerdings kostet der Wechsel unter Umständen Geld. Dein alter Anbieter darf bis zu 150 € verlangen, nach fünf Jahren Vertragslaufzeit muss er dich kostenlos ziehen lassen. Zusätzlich darf auch der neue Anbieter bis zu 150 € berechnen. Rechne deshalb vorher durch, ob sich der Wechsel lohnt, vor allem bei kleinen Guthaben.
Warum du nicht kündigen solltest
Eine vorschnelle Kündigung ist der teuerste Fehler, den du jetzt machen kannst: Du musst dann alle bisherigen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das können schnell mehrere Tausend Euro sein.
Vorsicht auch, wenn du deinen alten Vertrag einfach ruhen lässt und daneben ein neues Altersvorsorgedepot abschließt. Dadurch kann dein Altvertrag den Bestandsschutz verlieren. Lass dich im Zweifel von einer Verbraucherzentrale beraten, bevor du handelst.

Die Auszahlung: So kommt dein Geld zurück
Bei der Auszahlung hast du mehr Wahlmöglichkeiten als bei Riester.
Ab wann und wie?
Frühestens mit 65 kannst du an dein Geld, spätestens mit 70 geht es los. Beziehst du schon vorher eine gesetzliche Altersrente, darfst du auch früher starten. Zu Beginn kannst du bis zu 30 % deines Guthabens auf einmal entnehmen, zum Beispiel für eine Renovierung oder die große Reise.
Den Rest bekommst du dann auf eine von zwei Arten:
- Auszahlplan: Du bekommst monatliche Raten, die mindestens bis zu deinem 85. Geburtstag reichen. Dein restliches Geld bleibt dabei weiter investiert.
- Leibrente: Du bekommst eine lebenslange Rente, egal wie alt du wirst.
Anders als bei Riester gibt es keinen Zwang zur Verrentung. Du entscheidest also selbst, was besser zu dir passt.
Kann ich das Depot vererben?
Kurze Antwort: ja, aber nicht immer mit Förderung. Stirbst du, kann deine Ehepartnerin oder dein Ehepartner (beziehungsweise deine eingetragene Lebenspartnerin oder dein eingetragener Lebenspartner) das Guthaben in den eigenen Vertrag übernehmen, ohne dass Förderung verloren geht.
Erben dagegen andere Personen, etwa deine Kinder, müssen sie die staatliche Förderung zurückzahlen. Den Rest bekommen sie aber. Bei einem laufenden Auszahlplan wird das verbleibende Guthaben vererbt. Hast du dich allerdings für eine Leibrente ohne Garantiezeit entschieden, endet sie mit deinem Tod, und es bleibt nichts zu vererben.
Und fürs Eigenheim?
Auch für ein eigenes Haus kannst du das Depot anzapfen, wenn dein Anbieter mitspielt. Eine Entnahme für selbst genutztes Wohneigentum ist förderunschädlich, du musst also keine Zulagen zurückzahlen. Allerdings sind die Anbieter nicht verpflichtet, diese Option anzubieten. Wenn dir das wichtig ist, prüfe es deshalb vor dem Abschluss.
Anbieter-Check: Wer bietet was?
Banken und Broker liefern sich schon jetzt einen Preiskampf. Stand Oktober 2026 sind das allerdings nur Ankündigungen, zertifiziert ist noch kein Produkt. Die Konditionen können sich bis zum Start also noch ändern.
| Anbieter | Angekündigte Konditionen |
|---|---|
| Trade Republic | 0 € Depot und Sparplan, Erstattung der ETF-Kosten bei über 50 ETFs |
| Scalable Capital | ETF-Kosten im Standarddepot bis Ende 2027 erlassen, danach bis 0,15 % |
| flatex | Erstattung der ETF-Kosten für 5 Jahre |
| Smartbroker+ | Erstattung der ETF-Kosten für 3 Jahre |
| Deka (Sparkassen) | Standarddepot ca. 0,10 %, aktive Variante 1–1,5 % |
| DWS (Deutsche Bank) | Standarddepot 0,10 % für 2 Jahre, danach 0,28 %; beratenes Depot 0,99 % |
| Union Investment (Volksbanken) | Basisvariante unter 1 %, zusätzlich Variante mit 100 % Garantie |
| Allianz | Standarddepot online, Variante mit 80 % Garantie über Vermittler |
| ING, comdirect, DKB, Consorsbank | Angekündigt, Kosten noch offen |
Neben den Kosten solltest du beim Vergleich auf diese Punkte achten:
- Welche ETFs stehen dir zur Auswahl?
- Bietet der Anbieter eine Leibrente an, oder nur einen Auszahlplan? (Scalable Capital plant zum Beispiel keine Leibrente.)
- Ist eine Entnahme fürs Eigenheim möglich?
- Gelten die günstigen Konditionen dauerhaft, oder nur als Lockangebot für die ersten Jahre?
Bonus: Frühstart-Rente für dein Kind
Auch für Kinder ist eine Förderung geplant: Mit der Frühstart-Rente will die Bundesregierung schon den Jüngsten den Einstieg in die Börse ermöglichen.
Für jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren soll der Staat 10 € im Monat in ein Altersvorsorgedepot einzahlen, beginnend mit dem Jahrgang 2020. Über die zwölf Jahre kommen so insgesamt 1.440 € zusammen. Ausgezahlt wird das Geld wie beim normalen Altersvorsorgedepot erst ab 65. Als Elternteil kannst du privat etwas dazulegen, dafür gibt es aber keine zusätzliche Zulage.
Der Bundestag hat die Frühstart-Rente am 16. Oktober 2026 beschlossen, die Zustimmung des Bundesrats steht aber noch aus. Geplant ist der Start zum 1. Januar 2027.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Es lohnt sich für viele, aber nicht für alle gleich stark.
Besonders attraktiv ist das Altersvorsorgedepot für:
- Familien mit Kindern, denn die Kinderzulage treibt die Förderquote in die Höhe.
- Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, die vom Startbonus und einer langen Laufzeit profitieren.
- Kleinsparerinnen und Kleinsparer, denn auf die ersten 360 € gibt es 50 % Zulage.
- Selbstständige, die jetzt erstmals Zugang zu dieser Förderung bekommen.
Weniger attraktiv ist es für:
- Menschen, die im Alter einen hohen Steuersatz erwarten, etwa wegen hoher Mieteinnahmen oder Pensionen.
- Alle, die maximale Flexibilität wollen und ihr Geld nicht bis 65 binden möchten.
Ein Sonderfall sind Geringverdienende mit mehreren Kindern: Sie fahren mit einem bestehenden Riester-Vertrag teilweise besser. Stiftung Warentest rechnet das an einer Minijobberin mit drei Kindern vor: Bei Riester zahlt sie 60 € im Jahr und bekommt dafür 1.075 € Zulagen. Im neuen Modell müsste sie für eine ähnliche Förderung deutlich mehr selbst einzahlen. In diesem Fall solltest du einen Wechsel also besonders gut durchrechnen.
So nutzt du das Altersvorsorgedepot am besten
Mit dem Altersvorsorgedepot gibt es endlich eine staatliche Förderung, die zu ETF-Fans passt. Es verbindet die Rendite der Börse mit spürbaren Zulagen und behebt viele Schwächen der Riester-Rente. Dafür ist dein Geld bis zur Rente gebunden, und die Auszahlungen musst du im Alter versteuern.
Meine Tipps:
- Du musst am 1. Januar 2027 nicht sofort abschließen. Warte, bis die ersten Produkte zertifiziert sind, und vergleiche die Konditionen in Ruhe.
- Setz auf ein günstiges Standarddepot, für die meisten ist es die einfachste und beste Wahl. Achte darauf, dass die Kosten dauerhaft niedrig sind und nicht nur in den ersten Jahren.
- Hol dir mindestens die 50-%-Zulage: Schon 30 € im Monat bringen dir 180 € geschenkt.
- Prüf deinen Riester-Vertrag, aber kündige ihn nicht. Rechne lieber durch, ob sich ein Wechsel lohnt.
- Behalte dein freies ETF-Depot als flexiblen Topf neben der geförderten Vorsorge.
Wie sieht es bei dir aus? Hast du dich schon mit dem Altersvorsorgedepot auseinander gesetzt? Nimmst du es in Anspruch? Erzähl mir davon.
FAQ: Die häufigsten Fragen zum Altersvorsorgedepot
Diese Fragen sind mir am häufigsten begegnet:
Muss ich mich am 1. Januar 2027 sofort entscheiden?
Nein. Du kannst auch im Laufe des Jahres 2027 abschließen und dir trotzdem die Förderung für dieses Jahr sichern. Nimm dir also Zeit für einen guten Vergleich.
Wie viel Zulage bekomme ich?
Du bekommst bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr, wenn du 1.800 € einzahlst. Pro Kind kommen bis zu 300 € dazu, und unter 25 gibt es einmalig 200 € Startbonus.
Kann ich mehrere Altersvorsorgedepots haben?
Ja, gefördert werden aber höchstens zwei Verträge, und die Zulagen gibt es insgesamt nur einmal bis zur Höchstgrenze.
Kann ich Einzelaktien kaufen?
Nein. Erlaubt sind nur Anlagen von der Positivliste, also ETFs, Investmentfonds, Geldmarktfonds und EU-Staatsanleihen.
Was passiert, wenn ich vor 65 Geld brauche?
Dann kannst du zwar an dein Geld, musst aber alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Eine Ausnahme gilt für selbst genutztes Wohneigentum, sofern dein Anbieter diese Option anbietet.
Kann ich den Anbieter wechseln?
Ja. Nach fünf Jahren muss dich dein alter Anbieter kostenlos wechseln lassen, vorher darf er bis zu 150 € verlangen. Der neue Anbieter darf ebenfalls bis zu 150 € berechnen.
Gibt es ein staatliches Depot?
Vorerst nicht, weil das Finanzministerium für das ursprünglich diskutierte staatliche Standarddepot europarechtliche Hürden sieht. Zum Start gibt es nur Angebote privater Banken, Broker und Fondsgesellschaften.
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Er läuft ganz normal weiter. Ab 2027 kannst du einmalig in das neue System wechseln, aber du musst es nicht. Kündige ihn auf keinen Fall einfach, sonst verlierst du die bisherige Förderung.